Einmalige Einblicke in Klosterkirche und -schule

Kloster Alpirsbach

Kleider machen Leute

Kleidung aus

Alpirsbach

1958 wurde im Kloster Alpirsbach ein Sammelsurium von Alltagsgegenständen gefunden, fast 500 Jahre alt. Darunter sind auch Kleidungsstücke, die zeigen, was die Menschen im Mittelalter trugen. Absolut einmalig: eine Männerhose, das einzige erhaltene Kleidungsstück seiner Art.

Ausschnitt aus dem Holzschnitt "Der verhexte Stallknecht" von Hans Baldung Grien, vor 1544; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Zeitgenössische Darstellungen zeigen einen ähnlichen Kleidungsstil.

DIE ALPIRSBACHER MÄNNERHOSE

Die Männerhose besteht aus grobem Leinen und ist durch die harte körperliche Arbeit ihres Trägers stark verschlissen. Auffälligstes Merkmal ist eine sogenannte Schamkapsel, also eine Art fester Hosenlatz. Auch der Schnitt der Hose hilft bei der Datierung: Ähnliche Strumpfhosen sind auf Darstellungen zwischen 1500 und 1520 zu sehen – getragen von Knechten, Henkern, bäuerlichem Volk und Soldaten. Das passt wiederum zu den Abnutzungsspuren an der Alpirsbacher Hose.

Die Funde im Klostermuseum von Kloster Alpirsbach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemeberg, Dirk Altenkirch

Für Bauern arbeitstaugliche Kleidung, für Klosterschüler ordentliche Kleidung.

KLEIDUNG FÜR BAUERN UND KLOSTERSCHÜLER

Bäuerliche Arbeitskleidung bestand meist aus selbst gefertigten Kitteln, Hosen, Kleid und Bundschuhen. Die Klosterschüler dagegen erhielten jedes Jahr im Frühling ein Wams und ein Paar Hosen aus Leinen. Im Herbst bekamen sie Hosen, ein Wams, einen Mantel aus dunklem Wollstoff und einen Hut, dazu alle zwei Jahre ein neues Paar Schuhe. Damit die Jungen als angehende Pfarrer einen ordentlichen Eindruck machten, besserte ein Schneider alle zwei Monate ihre Kleidungsstücke aus.

Die „Kammermagd“, eine Uracher Klosterführerin im originalgetreuen Kostüm; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Thomas Kiehl

Eine Dienstmagd war einfach gekleidet.

MEHR ALS EIN SCHUTZ GEGEN KÄLTE

Kleidung diente im Mittelalter als Schutz vor Kälte und schlechter Witterung. Zugleich war sie sichtbares Zeichen für die Zugehörigkeit ihres Trägers zu einem sozialen Stand. Bäuerliche Kleidung wurde aus Wolle oder Leinen in zurückhaltenden Farben produziert und war ohne Verzierungen. Die Kleidung der höheren Stände bestand aus feineren und zum Teil sehr kostbaren Materialien und war sehr farbenfroh. So konnte die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht an der Kleidung abgelesen werden.

Der Klosterfund bei der Entdeckung 1958; Foto: Helga Bessler

Funde kurz nach ihrer Bergung.

DER SENSATIONELLE FUND

Unter den Dielen im Dormitorium von Alpirsbach fand man 1958 ein Sammelsurium von Alltagsgegenständen und Kleidungsstücken des 15. und 16. Jahrhunderts, darunter eine Männerhose und mehrere Kinderhemden sowie insgesamt 17 Lederschuhe. Für Historiker war der Fund ein ganz besonderer Meilenstein, denn mittelalterliche Kleidung war bis dahin selten entdeckt worden und sonst nur aus zeitgenössischen Darstellungen bekannt. Dank des Fundes konnten die Experten besser nachvollziehen, wie Kleidung damals ausgesehen hatte.

Heute kann man die Fundstücke aus den verschiedenen Zeiten im Klostermuseum in Alpirsbach bewundern.

TIPP

Die spannende Geschichte der Klosterschule können Sie anhand der ausgestellten Originalfunde im Museum „Mönche und Scholaren“ in Kloster Alpirsbach erleben.

TIPP

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