Einmalige Einblicke in Klosterkirche und -schule

Kloster Alpirsbach

Reformator „unter der Staig“

Erhard Schnepf

Der aus Heilbronn stammende Erhard Schnepf (1495–1558) arbeitete konfliktreich mit Ambrosius Blarer, Abt in Kloster Alpirsbach, um den kirchlichen Umwandlungsprozess voranzutreiben. Er wurde Hofprediger Herzog Ulrichs, bevor er es sich mit allen verscherzte.

Schloss Heidelberg mit Altstadt; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Achim Mende

Schnepf traf Martin Luther in Heidelberg.

Wie wurde er zum Reformator?

Der Sohn eines Schuhmachers besuchte zunächst die Heilbronner Lateinschule und studierte dann Theologie in Erfurt. 1511 wechselte Schnepf mit einem ersten Abschluss nach Heidelberg. Dort war er bei der berühmt gewordenen Disputation der Thesen Luthers anwesend: Er gehörte neben Philipp Melanchthon, Martin Bucer und Johannes Brenz zu den begeisterten Studenten, die fortan mit Feuer und Flamme für die Neuerungen der Kirche eintraten. Sie brachten erst durch ihren Einsatz Luthers Ideen zur Verwirklichung.

Herzog Ulrich von Württemberg, Gemälde; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Herzog Ulrich bat Schnepf um Mithilfe bei der Reformation.

Wie wirkte er in Württemberg?

Als Herzog Ulrich von Württemberg 1534 sein Land zurückerobert hatte, bat er Schnepf, die Reformation in Württemberg zusammen mit Ambrosius Blarer einzuführen. Schnepf gelang es, in der württembergischen Kirchenordnung von 1536 ein gemäßigtes Luthertum durchzusetzen. Darüber hinaus einigten sich beide Reformatoren auf eine geografische Zuordnung ihrer Tätigkeiten: Schnepf reformierte das Land von Stuttgart aus „unter der Staig“, Blarer von Tübingen aus „ober der Staig“.

Wie war das Verhältnis zwischen Schnepf und Blarer?

Schnepf und Blarer gerieten mehrmals scharf aneinander. Eine solche Auseinandersetzung trug sich auf dem Götzentag 1537 in Urach zu: Hier unterlag Schnepf mit seinem Anliegen und Herzog Ulrich erließ ein Bilderverbot, das Württemberg in der Folgezeit viele wertvolle Kunstwerke kostete. Als Blarer selbst dem Herzog zu radikal wurde, setzte dieser ihn ab und betraute Schnepf allein mit der Reformation im Land. Nun konnte Schnepf Veränderungen durchsetzen, die auch heute noch die württembergische Landeskirche prägen.

Schnepf war gegen ein Bilderverbot in Kirchen und die damit verbundenen Bilderstürme.

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