Einmalige Einblicke in Klosterkirche und -schule

Kloster Alpirsbach

Gründer der Klosterschulen

Christoph von

Württemberg

Herzog Christoph von Württemberg (1515–1568) übernahm während der Reformation eine politische Führungsrolle unter den deutschen Protestanten. Er löste Kloster Alpirsbach und andere Klöster in Württemberg endgültig auf und verlieh ihnen eine neue Funktion als evangelische Klosterschulen.

Herzog Christoph, Grafik von Hans Brosamer aus dem 16. Jh., aus dem Klebeband Nr. 2 der Fürstlich Waldeck'schen Hofbibliothek Arolsen; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Ausgebildet wurde er am Habsburger Hof.

Wie war Christophs Kindheit?

Seine Eltern führten eine Skandalehe: Mutter Sabina von Bayern floh vor ihrem aufbrausenden Ehemann Ulrich von Württemberg außer Landes. Die Kinder musste sie vorerst zurücklassen – ein beispielloser Skandal! Als Ulrich 1519 aus Württemberg vertrieben wurde, kam sein Sohn an den Hof der Habsburger. Mit den mächtigen Habsburgern gab es verwandtschaftliche Bande und so verbrachte Christoph seine Jugend im Gefolge des Kaiserhauses. Die Habsburger waren katholisch und stemmten sich gegen die Reformation.

Wie verstand sich Christoph mit seinem Vater?

Durch die verheerende Politik seines Vaters ging das Herzogtum Württemberg 1519 an die Habsburger verloren. Christophs Zukunft war ungewiss und das Verhältnis zum Vater schwierig. Herzog Ulrich sah in ihm einen Konkurrenten bei seinen Versuchen, die Herrschaft in Württemberg zurückzuerobern. Nicht zu Unrecht: Denn die Habsburger versuchten, dem katholischen Christoph die Regentschaft in Württemberg zu verschaffen. So sollte eine Einführung der Reformation in Württemberg unter Herzog Ulrich verhindert werden.

Durch die Einigung zwischen Ulrich und Christoph konnte die übliche Erbfolge eingehalten werden.

Warum wurde Christoph Protestant?

Im Jahr 1534 gelang Ulrich die Rückeroberung seines Herzogtums, das er sofort reformierte. Erstmals traf er wieder auf seinen Sohn Christoph – nach 15 Jahren! Doch das Wiedersehen war überschattet von Misstrauen und Distanz. Bald danach wurde Christoph von seinem Vater außer Landes an den französischen Hof geschickt. Erst 1542 gelang zumindest eine politische Annäherung zwischen Vater und Sohn. Per Vertrag wurde die Nachfolge Christophs geregelt. Bedingung war ein Bekenntnis Christophs zur Reformation. Die von Ulrich arrangierte Ehe Christophs mit Anna Maria von Brandenburg-Ansbach, einer Prinzessin aus protestantischem Adelshaus, besiegelte seinen Konfessionswechsel.

Herzog Christoph von Württemberg, Statue von Paul Müller, 1885, heute in Stuttgart; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Christoph odnete Württemberg in vielen Bereichen neu.

Was kennzeichnet seine Regierungszeit?

Nach dem Tod Ulrichs 1550 regierte Christoph 18 Jahre lang – für Württemberg begann mit seiner Herrschaft eine Zeit des Friedens und der Neuordnung. Der Herzog verankerte die protestantische Lehre in Württemberg und legte die lutherische Ausrichtung der württembergischen Kirche fest. Zudem gestaltete er die gesamte Staats- und Kirchenverwaltung neu. Seine Reformen wurden in einer Großen Kirchenordnung von 1559 festgeschrieben, die in vielen anderen Territorien bis nach Schweden und Slowenien Beachtung fand.

Welche Bedeutung hatte der Herzog für Alpirsbach?

Nach Luthers Lehre hatte die klösterliche Lebensform keine Bedeutung, da sie für ein gottgefälliges Leben nicht notwendig war. So kam es, dass reformierte Fürsten die Klöster in ihren Ländern aufhoben und sie für neue Zwecke nutzten. Herzog Christoph richtete in Alpirsbach und in zwölf anderen württembergischen Männerklöstern sogenannte Klosterschulen ein. Hier sollten Jungen unterschiedlicher Herkunft auf das Theologiestudium und den Beruf des evangelischen Pfarrers vorbereitet werden.

Noch heute zeugen einzigartige Fundstücke von der Zeit der Klosterschule in Alpirsbach.

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