Ansicht von Kloster Alpirsbach

Beten und Büffeln

Dossier: Die Klosterschule

Mit der Umsetzung der Reformation in Württemberg und der Aufhebung der Klöster wurde auch der Benediktinerorden aufgelöst und die Mönche mussten Alpirsbach verlassen. 1556 richtete Herzog Christoph hier eine Klosterschule ein. Schüler bewohnten nun die ehrwürdigen Mauern.

Kleidungsstücke im Klostermuseum Alpirsbach; Foto: Hiller-König

Grundausbildung für die Universität Tübingen.

Niedere und höhere Klosterschulen

Der Herzog ließ in allen 13 Männerklöstern Klosterschulen zur Ausbildung von Pfarrern einrichten. Niedere und höhere Klosterschulen dienten der Grundausbildung, danach wechselten die Schüler zur Universität Tübingen. Die Zahl der Klosterschulen wurde mit der Zeit jedoch reduziert. Die niedere Klosterschule in Alpirsbach schloss 1595 ihre Tore, bis dahin hatte sie 200 Schüler beherbergt. Adelberg und Blaubeuren blieben als niedere, Bebenhausen und Maulbronn als höhere Klosterschulen in Betrieb.

Kinder heute auf dem Klostergelände; Foto: SSG

Heutige Schüler auf den Spuren der Klosterschüler.

Der Betrieb der Klosterschulen

Evangelische Theologen übernahmen die Aufgaben der katholischen Äbte: Sie leiteten die Klosterschulen und verwalteten den ehemaligen Klosterbesitz. Eine Schule nahm ein bis zwei Dutzend Jungen im Alter zwischen 10 und 14 Jahren auf. Der Unterhalt der Schüler, die nicht nur aus reichen Familien kamen, wurde aus dem ehemaligen Klostereigentum finanziert. Ihr Unterricht war sehr genau geregelt. Es gab detaillierte Vorschriften über Stundenplan, Unterrichtsinhalte, Disziplin-, Ernährungs- und Kleiderfragen.

Exponat aus dem Alpirsbacher Klosterfund, heute im Klostermuseum; Foto: Hiller-König

Kalender anno 1559?

Stundenplan für zukünftige Theologen

Die Schulen dienten der Ausbildung künftiger evangelischer Pfarrer im Schul- oder Kirchendienst. Die Unterrichtssprache war Latein, gelehrt wurden die sieben freien Künste: Grammatik, Rhetorik, Arithmetik, Dialektik, Geometrie, Astronomie und Musik. Zusätzlich wurde noch Griechisch und Hebräisch gesprochen. Alle Fächer waren praxisorientiert und auf das spätere Amt des Pfarrers ausgelegt. Nach zwei bis drei Jahren wechselten die Schüler schließlich an eine höhere Klosterschule.

Lehrer, Karikatur eines Klosterschülers im Kloster Alpirsbach; Foto: SSG_Bildarchiv

Späße machten den Alltag leichter.

Freud und Leid der Klosterschüler

Unter den spektakulären Fundstücken befindet sich eine Anzahl an Gegenständen, die das Leben und den Unterricht an der Alpirsbacher Klosterschule anschaulich dokumentieren. Freud und Leid der Klosterschüler sind aus Hausaufgaben, Briefen, Sprüchen und Zeichnungen abzulesen. So hat sich eine entrüstete Beschwerde an den Abt erhalten, in der ein Klosterschüler seinen Mitschüler „verpetzt“. Lustige Zeichnungen, die Karikaturen von heute gleichen, erwecken den Alltag der Klosterschüler von einst zu neuem Leben.

Schüler in historischer Kleidung im Kloster Alpirsbach; Foto: SSG_Pressebilder

So mögen sie vielleicht ausgesehen haben.

Wer waren die Alpirsbacher Klosterschüler?

Die „Scholaren“, Klosterschüler, wohnten in den ehemaligen Zellen der Mönche. Sie verzierten ihre Wände mit „Graffiti“: Viele Initialen sind bisher nicht geklärt. Viele Schülernamen sind erfasst, teilweise zusammen mit Jahreszahl und Herkunftsbezeichnung, wie beispielsweise aus Herrenberg, Nürtingen oder Stuttgart. Dazu gibt es Zeichnungen oder Sprüche auf Lateinisch, wie den folgenden: „Wenn die launische Natur mir die schöne Gestalt verweigert, wiege ich die fehlende Schönheit einfach durch Geist auf...

Blick in das Klostermuseum Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch
Blick in das Klostermuseum Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch
Kleidung, ein Wams, heute im Klostermuseum Alpirsbach; Foto: Hiller-König

Lebendige Ausstellung „Mönche und Scholaren“.

Die spannende Geschichte der Klosterschule können Sie anhand der ausgestellten Originalfunde im Museum „Mönche und Scholaren“ in Kloster Alpirsbach erleben.

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