Marienaltar des Klosters Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch

Spätgotisches Meisterwerk in der Klosterkirche

Der Marienaltar

Von der einstigen prachtvollen und reichen Ausstattung der Klosterkirche sind heute nur noch Spuren vorhanden. Umso erfreulicher ist es, dass der spätgotische Marienaltar als einziger von mindestens acht überlieferten Altären die Jahrhunderte überdauert hat.

Detail des Marienaltars von Kloster Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch

Marienkrönung in Anwesenheit von Heiligen.

Spätgotisches Meisterwerk aus Ulmer Werkstatt

Der spätgotische Flügelalter wurde um 1520 bis 1525 von dem Ulmer Bildhauer Nikolaus Weckmann geschaffen. Der Ruhm des Ulmer Meisters strahlte zu seinen Lebzeiten weit über die Stadtgrenzen hinaus. Er unterhielt eine große Werkstatt mit zahlreichen Lehrlingen und Gehilfen, mit denen er Meisterwerke massenhaft produzierte. Weckmann arbeitete nachweislich mit den berühmtesten Ulmer Malern zusammen, die Gemälde für die Altäre lieferten, die Weckmann mit Skulpturen schmückte.

Besucher vor dem Marienaltar des  Klosters Alpirsbach

Die drei zentralen Figuren sind fast lebensgroß.

Ursprünglicher Standort ist unbekannt

Heute steht der Marienaltar im nördlichen Querschiff der Klosterkirche. Dies ist wahrscheinlich nicht sein ursprünglicher Standort. Auf Grund seiner Marienthematik wurde lange Zeit angenommen, dass er einst in der abgebrochenen Marienkapelle gestanden haben musste. Die gegebenen Maßverhältnisse des nach oben strebenden Flügelaltars machen jedoch auch dies unwahrscheinlich.

Aus dem Leben Mariens

Die Malerei des Flügelaltars zeigt im geöffneten Zustand Szenen aus Marias Leben. So erscheinen an den Seiten der plastischen Marienkrönung die Verkündigung und Heimsuchung Mariae. Im geschlossenen Zustand sind auf den Außenseiten der Flügel mit der Geißelung und Dornenkrönung zwei Passionsszenen dargestellt. Wer die Gemälde geschaffen hat, ist unbekannt. Sie wurden als schwach konturierte Kohlezeichnung aufgebracht, in brauner Farbe ausgemalt und mit Weißhöhungen – Hervorhebungen – versehen.

Szene des Marienaltar des Klosters Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch
Szene des Marienaltar des Klosters Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch
Szene des Marienaltar des Klosters Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch

Bis ins Detail fein gearbeitet.

Der geschlossene Marienaltar des Klosters Alpirsbach; Foto: Dirk Altenkirch

Auch ohne aufwendige Farbfassung beeindruckend.

Holz oder Farbe?

Um 1500 entstanden im südwestdeutschen Raum immer häufiger Altäre, die „umgefasst“ blieben, also bewusst auf eine farbige Bemalung verzichteten. Die hölzernen Figuren und Oberflächen wurden mit farblosem Leim überzogen. Nur wenige Details, wie das Gesicht oder die Ornamente an den Kleidersäumen, erhielten farbige Akzente. Diese Altäre stehen für ein neues Verständnis von Ästhetik. Die materielle Zurückhaltung entsprach zudem einer Art Reformbewegung, die der Prunksucht in den Kirchen entgegentreten wollte.

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