Blick in das Langhaus der Kirche von Kloster Alpirsbach; Foto: Markus Schwerer

Typisch für die Hirsauer Reform

Die Klosterkirche

Dem heiligen Nikolaus geweiht, wurde die Klosterkirche 1125 bis 1133 in der Bautradition der Romanik errichtet. Als Beispiel für die Architektur cluniaziensischer Prägung weist die Kirche ein klares Schema auf: eine dreischiffige Säulenbasilika mit dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes.

Ansicht von Kloster Alpirsbach aus nordwestlicher Richtung mit der Vorhalle

Die Vorhalle – das Paradies.

Durch das Paradies in die Kirche

Durch die Vorhalle im Westen, das „Paradies“, die den Zugang zur Kirche öffnet, wird die romanische Architektur und die ursprüngliche Anlagenform sichtbar. Einst beherbergte die Vorhalle im Obergeschoss eine Kapelle, die sich emporenartig zum Innenraum der Kirche öffnete. Am Hauptportal zieren zwei meisterhaft gearbeitete bronzene Türzieher in Form stilisierter Löwenköpfe und Reste der prächtigen eisernen Beschläge die Türen, Meisterwerke romanischen Kunsthandwerks des 11. und 12. Jahrhunderts.

Türknauf am Hauptportal der Kirche von Kloster Alpirsbach; Foto: Markus Schwerer

Stilisierter Löwenkopf als Türzieher.

Eindringliche Bildsprache

Das Tympanon – das Giebelfeld – über dem Hauptportal zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen romanischer Bauplastik in Südwestdeutschland. In der Mitte thront Christus als Weltenrichter, umgeben von zwei Engeln. Ganz links in Mönchstracht ist Adalbert von Zollern, einer der drei Stifter, der später in das Kloster eintrat, dargestellt. Im Inneren der Kirche wird die beeindruckende Bauplastik an den Säulenkapitellen und Basen fortgeführt, wie an den „Säulen des Jüngsten Gerichts“, um 1130 entstanden.

Figürliches Würfelkapitell einer Säule in der Kirche von Kloster Alpirsbach
Tympanon mit Christus in der Mandorla über dem  Hauptportal der Kirche von Kloster Alpirsbach; Foto: Markus Schwerer
Fratzenkopf als Eckziere einer Säulenbasis in der Kirche von Kloster Alpirsbach

Beeindruckende Bauplastik schmückt die Kirche innen und außen.

Blick über den Altar in der Klosterkirche Alpirsbach; Foto: Markus Schwerer

Eine Besonderheit: der zweigeschossige Chor.

Im Innern: typische Elemente der Hirsauer Bauschule

Typisch für die Klöster der Hirsauer Reform war die Abhaltung vieler Messen in der Kirche nach den Regeln des heiligen Benedikt. In der hohen, flach gedeckten Säulenbasilika ist der zweigeschossige Chor eine Besonderheit. Die Priestermönche saßen in der Vierung, Chorus Major, alte und kranke Mönche im Chorus Minor vor der Vierung im Mittelschiff. Daran schloss die nicht mehr erhaltene Chorschranke an, als Abtrennung zu den Laienbrüdern, den Mönchen ohne Priesterweihe, die im Querschiff saßen.

Detail eines Freskos in der Klosterkirche Alpirsbach

Fresken aus dem 13. Jahrhundert.

Kostbare Ausstattung verloren

Einst war die Kirche prachtvoll mit Wandbehängen, bunten Fresken, Altären, Messgewändern, kostbarem Kirchengerät und reich verzierten Möbeln ausgestattet. Davon hat sich nur wenig erhalten. Dazu zählen Reste von Fresken und Glasmalereien, Teile eines Chorgestühls, der Marienaltar und als echte Rarität die Mitte des 14. Jahrhunderts entstandene Chorbank. Verschiedene Grabplatten, die an wichtige Äbte, Schutzherren und Stifter des Klosters erinnern, sind steinerne Zeugen dieser Epochen.

Schauen Sie sich im Mittelschiff genau um: An der Stelle im östlichen Teil, wo die Säulen zu quadratischen Pfeilern werden, stand früher die Chorschranke – die Trennung zwischen dem Bereich der Mönche und der Laien. Hier finden Sie auch die „Säulen des Jüngsten Gerichts“.

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