Einmalige Einblicke in Klosterkirche und -schule

Kloster Alpirsbach

Der Schlafsaal der Mönche

Das Dormitorium

Die Benediktinermönche befolgten die strengen Regeln des Ordens, die den gesamten Tagesablauf mit Gebets- und Schlafenszeiten festlegten. Nächtliche Chorgebete gehörten dazu, deshalb war der Schlafraum der Mönche direkt an die Kirche angeschlossen.

Dormenttreppe im Kloster Alpirsbach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Rose Hajdu

Auf direktem Weg vom Bett zum Gebet.

Kurzer Weg zur Kirche

Das Dormitorium oder Dorment war ursprünglich ein großräumiger Schlafsaal, in dem alle Mönche gemeinsam schliefen. Wie bei Benediktinerklöstern üblich, befindet sich das Dormitorium im Obergeschoss des Ostbaus nahe der Kirche. Über die Dormenttreppe gelangten die Mönche direkt ins Querschiff. Der kurze Weg erleichterte das nächtliche Chorgebet. Klein, kalt, karg eingerichtet – so stellt man sich die Zellen der Ordensbrüder vor. Dass dies nicht immer so war, bezeugt das Beispiel in Kloster Alpirsbach.

Blick in den Flur zwischen den einzelnen Zellen; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Markus Schwerer

Bemalte Wände und kunstvolle Türrahmen.

Aus dem Saal werden Zellen

Ende des 15. Jahrhunderts hatten sich die Ansprüche im Kloster auch im Schlafbereich geändert, Einzelzellen waren gefordert. Der ehemalige große Schlafsaal wurde mit Hilfe von Fachwerkwänden in einzelne Zellen unterteilt, in dessen Mitte ein breiter Flur entstand. Wie heute noch an einigen Stellen zu sehen ist, waren die Wände einst mit einem aufgemalten Ziegelmauerwerk verziert. Der Türrahmen jeder Zellentür ist kunstvoll mit einem geschwungenen Bogen, einem sogenannten Eselsrücken, abgeschlossen.

Mehr Platz schaffen

Mit der Aufstockung des Kreuzgangs unter Abt Hieronymus Hulzing war es möglich, auch in dessen Obergeschoss Zellen unterzubringen. Dazu wurde die Außenwand des Dormitoriums durchbrochen. Die neuen Zellen konnten durch ein spitzbogiges Portal und einige Stufen zum Ausgleich des Höhenunterschiedes betreten werden. Spartanisch eingerichtet – eine Schlafstelle, ein kleines Wandschränkchen und eine Sitznische am Fenster – vermitteln sie anschaulich den asketischen, meditativen Lebensstil jener Zeit.

Spartanische Einrichtung.

Detail eines mittelalterlichen Graffitis in Kloster Alpirsbach; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Markus Schwerer

Sprüche und Bilder der Klosterschüler.

Mittelalterliches Graffiti

Betritt man die Zellen der Mönche im Dormentbau, fühlt man sich fast in jene Zeit zurückversetzt. Heute sind hier noch Wandmalereien ganz besonderer Art zu bewundern. Sie sind nicht das Werk eines beauftragten Künstlers, sondern vielmehr das Bemühen der ehemaligen Bewohner, ihre Wände zu verzieren. Initialen, Jahreszahlen und Sprüche mit Renaissance-Motiven –„Graffiti“ der damaligen Klosterschüler – sind eine amüsante Hinterlassenschaft aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.